Es klingt nach einem Teufelskreis: Wintersportler reisen mit dem Auto an und schaden dadurch der Umwelt. Touristenorte sind auf wirtschaftlichen Erfolg aus und tun alles, um die Anzahl an Pistenkilometern zu steigern. Darunter leiden Ökosysteme noch mehr. Ein nachhaltiger Winterurlaub ist möglich, doch es ist ein Umdenken von Skisportlern und -regionen erforderlich.

In unserem letzten Artikel haben wir dir schon 7 Tipps für einen nachhaltigen Skiurlaub gegeben. So kannst du zum Beispiel bei der Anreise auf öffentliche Verkehrsmittel setzen, bei deiner Ausrüstung auf Ökostandards setzen und dich an die örtlichen Naturschutzbestimmungen halten.

Hier starten wir den Versuch einer Erklärung, warum Wintersport in Zeiten des Klimawandels neu gedacht werden muss, um bestehen zu können. Gerade Wintersportler werden sehr mit den ökologischen Auswirkungen ihres Tuns konfrontiert. Sie müssen immer weiter fahren, um Schnee zu finden. Gleichzeitig ist diese Debatte emotional aufgeladen, weil Wintersportler ihrer Leidenschaft natürlich auch weiterhin nachgehen wollen. Ein völliger Verzicht auf den Sport hilft auch keinem der Beteiligten – weder den Regionen, noch den Skifahrern. Doch durch einen gewissenhaften Umgang mit der Ressource Natur kann sich diese besser erholen und so ist ein nachhaltiger Winterurlaub auch weiterhin möglich.

Eine Bettenburg in einem Skigebiet mit ganz vielen Skifahrerlein außenrum

Herausforderung Nr. 1: Die Alpenregionen und ihre Einkünfte

Skisport ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für viele Alpengemeinden. Die jährlich wiederkehrenden Besucher sind eine ergiebige Einnahmequelle, die nicht versiegen darf. Schon jetzt werden viele Flächen künstlich beschneit. Und es ist abzusehen, dass es in Zukunft noch mehr werden. Die lokale Tourismusindustrie und Interessen von einzelnen Wirtschaftsakteuren haben hier leider meist Vorrang vor dem Naturschutz. Beschneiungsanlagen werden staatlich gefördert (und somit auch vom Steuerzahler bezahlt), anstatt sanfte und nachhaltige Alternativen zum Skitourismus zu entwickeln. In vielen Fällen wäre letzteres ökonomisch wesentlich sinnvoller, weil ungewiss ist, ob in den Regionen in einigen Jahren überhaupt noch Schnee liegt. Gleichzeitig verbauen die Gebiete sich mit Skiliften und Hotelkomplexen die Chance auf naturnahen Tourismus im unberührten Alpenraum.

Eine Herangehensweise:

Wenn du über bookitgreen.com nachhaltige Unterkünfte buchst, kommt das eingenommene Geld der lokalen Wirtschaft und damit auch der Region zu Gute. Keiner unserer Gastgeber ist ausschließlich auf Skitourismus ausgerichtet. Meist werden zusätzlich noch sanfte Alternativen wie (Schneeschuh-)Wandern angeboten. Darüber hinaus bietet ein Urlaub in der Nebensaison viele Vorteile: Skipässe und Unterkünfte sind günstiger und die Touristenströme (inkl. Umweltbelastung) werden entzerrt. Du solltest außerdem einen langen Urlaub anstatt vieler kurzer planen. Auch das entlastet Ballungsgebiete. In den Alpine Pearls haben sich Urlaubsorte in den Alpen zusammengeschlossen, die sowohl für den Winter als auch für den Sommer eine nachhaltige Anlaufstelle für Touristen bieten.

Planierraupe vor einem Skilift: kein nachhaltiger Winterurlaub

Herausforderung Nr. 2: Das Aufrüsten der Pistenkilometer

Die Nachfrage nach Skisport blieb in den letzten Jahren trotz Klimavariation und Schneeunsicherheiten in etwa gleich. Was sich verändert hat, ist allerdings der Konkurrenzkampf zwischen den Skigebieten. Ein Aufrüsten um die längste Piste hat ein eingesetzt. Winterorte schließen sich zusammen, um auf mehr Kilometer zu kommen und wachsen so immer weiter. Dadurch steigen die Einwohnerzahlen im Winter signifikant, was wiederum zu Belastung von Umwelt und Infrastruktur führt. Die Schadstoffwerte reichen dann teilweise an die von Großstädten heran.

Eine Herangehensweise:

Kleinere Skigebiete sind meist umweltfreundlicher als die großen mit vielen Pistenkilometern. Diese Regel gilt leider aber auch nicht immer, weil große Gebiete eher das Geld haben ihre Wiesen im Sommer zu pflegen. Auf gar keinen Fall solltest du in Gebiete fahren, die sich in der letzten Zeit vergrößert haben. Damit würdest du ökonomischen Entscheidung der Betreiber honorieren, die in jedem Fall zulasten der Umwelt gehen.

Herausforderung Nr. 3: Der Bau von Skianlagen belastet das Ökosystem

Ein Skilift auf einem Berg mit Schnee

Pisten sind nicht einfach da, sondern menschengemacht. Harvester roden Wälder und Planierraupen begradigen anschließend das Gelände. Der Boden ist anschließend so verdichtet, dass er Regenwasser nicht mehr aufnehmen kann. Dadurch steigt die Gefahr für Lawinen und Überschwemmungen. Felsen werden aus dem Weg gesprengt und Flüsse zur Not auch mal umgeleitet. Dass die Pflanzen- und Tierwelt davon nicht unberührt bleibt, sollte klar sein.

Eine Herangehensweise:

Unsere Empfehlung ist es auch im Sommer mal in die Region zu fahren, um zu sehen, was sich unter dem Schnee verbirgt und was es da zu schützen gilt. Von der Existenz von Skipisten profitierst du als Skifahrer natürlich, aber du kannst dir auch über deren Entstehungsprozess bewusst sein. Der Besuch von kleinen Skigebieten hilft dabei sie zu etablieren, anstatt immer neue Gebiete zu erschließen. Je weniger neue Pisten gebaut werden, desto besser für die Umwelt.

Schneekanone auf grüner Wiese: kein nachhaltiger Skiurlaub

Herausforderung Nr. 4: Klimawandel und Schneekanonen

Selbst wenn die Gesellschaft es schaffen sollte das 2-Grad Ziel einzuhalten, wird es in Zukunft rund 30 % weniger Schnee geben. Pessimistischere Prognosen gehen davon aus, dass es in den Alpen bis zum Ende des Jahrhunderts 70 % weniger Schnee gibt. Besonders gefährdet sind dabei Gebiete unter 1200 Metern. Bewahrheiten sich die Prognosen, liegt dort in 80 Jahren gar keinen Schnee mehr.

Mit Ausbleiben von natürlichem Schnee, steigt der Einsatz von Schneekanonen, um den Anschein einer Winterlandschaft zu simulieren. Doch Schneekanonen verbrauchen Energie und Wasser und machen Lärm. Die Beschneiung eines Hektars verbraucht etwa so viel Wasser wie eine Großstadt wie Hamburg, nämlich knapp eine Million Liter. Der hohe Wasserverbrauch hat schon dazu geführt, dass Flüsse in den Alpen bis zu 70 % weniger Wasser führen als vor Einführung der Schneekanonen. Der Kunstschnee hat wiederum negative Auswirkungen auf das Ökosystem. Er ist deutlich dichter und weniger Sauerstoff-durchlässig als natürlicher Schnee. Auch durch seinen erhöhten Nährstoffgehalt bringt er die Vegetation in höheren Lagen langfristig durcheinander.

Eine Herangehensweise:

Grundsätzlich ist es eine gute Faustregel Skigebiete und Pisten zu meiden, in denen Schneekanonen eingesetzt werden. Stattdessen solltest du Skigebiete mit genug Neuschnee wählen. In den Alpine Pearls haben sich Skigebiete zusammengeschlossen, die besonders umweltfreundlich sind. Sie nutzen beispielsweise regenerative Energien zum Betreiben von Liften oder bieten sanfte Alternativen zum Skifahren.

Ist umweltfreundlicher Wintersport überhaupt möglich? Wir sagen ja.

Jeder kann bei der Wahl des Skigebietes eigene Entscheidungen treffen, umweltfreundliche Angebote honorieren und damit den Markt beeinflussen. Umweltverträglicher Skisport ist auch in Zukunft noch möglich, man sollte sich aber den genutzten Ressourcen bewusst sein, um sie auch schützen zu können.

Kannst du uns ein grünes Skigebiet empfehlen?

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