Endlose Blütenmeere, frisches Obst und Gemüse, viele Berge mit vielen Kurven und grenzenlose Gastfreundschaft: So lässt sich Madeira kurzfassen. Warum sich eine Madeira-Reise besonders zur Nebensaison lohnt, welche Wanderrouten sehenswert sind und wie nachhaltig die Insel eigentlich ist, erfährst du in diesem Artikel.

Dem deutschen Winter entfliehen und für einen Monat Sonne im Süden tanken. Das war der Plan, als ich losgeflogen bin. Und er ist aufgegangen. Madeira mit seiner unaufgeregten Hauptstadt Funchal und seiner angejahrten Bevölkerung eignet sich wunderbar, um einen Gang herunterzuschalten, frische Meeresluft und Sonne zu genießen und dann mit aufgefüllter Energie ins Jahr zu starten.

In Küstennähe reihen sich die Häuser zu mal mehr, mal weniger großen Ansammlungen zusammen. Ein paar Höhenmeter weiter oben dann unterschiedlichste Vegetationszonen, in vielen Kurven durch den Lorbeerwald bis aufs unbewohnte Hochplateau. Je nach Wetterlage und Inselseite hat man dann die schönste Aussicht oder die dickste Nebelwand vor sich. Auf der kleinen Insel versteckt sich eine derartig abwechslungsreiche Landschaft, dass einem nie langweilig wird. Und selbst wenn es mal bewölkt ist, findet man um die nächste Kurve den schönsten Regenbogen.

Busfahren auf Madeira

Busfahren auf Madeira ist möglich. Und ein Abenteuer. Aber möglich! Durch die zunehmende Touristenzahl wird der Individualverkehr auf der Insel mehr und mehr zum Problem. Mit ein bisschen Planung kommt man auch mit dem Bus zu allen Sehenswürdigkeiten und entlastet so sich selbst (keine steilen Serpentinen fahren) und die Insel (weniger Verkehr, weniger Stau).

Die einzige Herausforderung ist: es gibt kein einheitliches Bussystem, sondern fünf verschiedene Anbieter mit nicht aufeinander abgestimmten Fahrplänen. Generell sind die Busse für Einheimische gedacht und nicht für Touristen und die Anbieter schaffen es erst langsam sich umzustellen. So gibt es viele Bushaltestellen ohne Namen, die dann nur ungefähre Abfahrtszeiten haben. Hier findet sich eine grobe Übersicht über die Strecken der Busanbieter auf Madeira. Im Tourist-Office (Secretaria Regional da Cultura, Turismo e Transportes, Avenida Arriaga 18 in Funchal) gibt’s ein kostenfreies Heftchen mit (fast) allen Buslinien und ihren Abfahrtszeiten. Von Funchal aus kommt man gut in jeden Winkel der Insel. Zur Sicherheit kann man auch noch die Webseiten der Busanbieter selbst checken.

Blich auf den Sonnenuntergang in der Fußgängerzone in Funchal

Das Essen: Saisonal & lokal

In Funchal öffnet montags bis samstags der Mercado dos Lavradores in der Altstadt seine Tore. Hier gibt es allerlei frisches Obst, Gemüse, Gewürze und Kaffee zu okayen Preisen. Mehr zu empfehlen ist der Bauernmarkt in Santo da Serra immer sonntags. Der ist wesentlich lokaler und günstiger, da hier Menschen aus der Umgebung ihre Garten-Überschüsse verkaufen. Im Februar ist ungewohnterweise schon Saison für sehr viel Leckeres: Salat, Avocados, Bananen, Bohnen, Kohl, Guaven, Papaya, Cherimoya, und so weiter und so fort.

Restaurants sind mir in Funchal zwei besonders positiv aufgefallen. Einmal das MadCuba, das Madeira und Kuba zu einer leckeren, angenehmen Willkommens-Atmosphäre verbaut. Das Menü ist auf drei Gerichte beschränkt, zwei Fleisch-Varianten und ein vegetarischer Teller mit liebevoll zubereiteten Einzelheiten, wie den hausgemachten Süßkartoffel-Chips. Außerdem bin ich noch auf einen Pionier der veganen Küche gestoßen: das Coração Vegano. Die Speisekarte ist eine wunderbare Mischung aus japanischen und karibischen Gerichten. Die Inhaber sind ein wenig verplant, servieren aber sehr leckeres Essen.

Ökolandbau ist auf der Insel leider noch am Anfang. Wie bei vielen Dingen hängt die Insel dem Festland da ungefähr zehn Jahre hinterher. Es gibt zwar ein paar Ökolandbauern, aber generell ist man dem Einsatz von Pestiziden nicht abgeneigt. Deswegen ist die ganze Frische mit Vorsicht zu genießen.

Blick von oben auf den Bauernmarkt in Funchal

Die Levadas und die Energiegewinnung

Die Levadas sind künstliche Wasserläufe, die an vielen Stellen auch von Wanderwegen begleitet werden. Oben auf dem Hochplateau wird Wasser eingesammelt und dann über teils offene, teils geschlossene Kanäle in tiefer gelegene Regionen verteilt. Manche werden von Wassergesellschaften betrieben, andere befinden sich in Gemeinschaftshand. Dann gibt es feste Termine, zu denen einzelne Familien ihre Gärten bewässern dürfen. Eine Art Schleusenwärter ist für die Einstellungen zuständig. Touristen sollten also nicht in die Versuchung kommen an den Levadas herumzuspielen, sonst kommt ein ausgeklügeltes Wassersystem durcheinander.

Die Insel hätte mit so viel Sonne, Wind und Wasser die Chance sehr viel regenerative Energie zu erzeugen. Das passiert aber kaum. Über die Hälfte der auf der Insel erzeugten Energie entsteht derzeit durch die Verbrennung von Heizöl, das vom Festland kommt. Knapp 30 % werden aus Wasserkraft gewonnen und Sonnenenergie wird bisher kaum genutzt. Der Ausbau scheitert größtenteils daran, dass seit 1976 die christlich-konservative Sozialdemokratische Partei Portugals regiert und wenig Platz für Innovation lässt. Aktuell wird mit europäischer Bezuschussung ein Pumpspeicherkraftwerk zur Energiespeicherung auf dem Hochplateau gebaut, was von massiven Eingriffen in die Natur begleitet wird und deshalb sehr umstritten ist.

Die schönsten Wanderungen auf Madeira

Ein Urlaub in der Nebensaison hat auch den Vorteil, dass man sich die Wanderwege nicht mit allzu vielen anderen teilen muss. Viele Wanderungen führen an Levadas vorbei, andere über Berggipfel oder an der Küste entlang. Die Hauptwege sind eindeutig ausgeschildert, geben aber wenig Überblick über die Nebenwege. Mit dem Auto irgendwo hinzufahren und loszuwandern, ist nur bei einigen wenigen Rundwegen ratsam. Für alle anderen Wanderungen eignet sich der kostenfreie Tourenplaner von Outdooractive. Hier kann man Start und Ende der Tour, abgestimmt auf Busfahrpläne, angeben und erhält alle nötigen Infos zu Länge, Dauer und Höhenmetern.

Ein Highlight der Reise war eine ebenso geplante Tour. Los ging’s mit dem Bus von Funchal nach Poiso und dann weiter per Anhalter auf den Pico do Arieiro (1818 m). Von dort aus startet eine sagenhafte Gipfelwanderung bis zum Pico Ruivo (1862 m). Hier ist es wichtig aufs Wetter zu achten. Bei Feuchtigkeit ist die Gefahr abzurutschen zu groß. Am Pico Ruivo läuft man vorbei und in Richtung Pico da Encumeada weiter. Nach dem Pico do Jorge (am besten offline Karte mitnehmen) biegt man links ab und geht talwärts ins Curral das Freiras, das Nonnental. Von hier aus fahren auch spät abends noch Busse nach Funchal zurück. Die drei Tage Muskelkater haben sich auf jeden Fall gelohnt.

Etwas weniger sportlich, aber trotzdem sehr schön ist die Levada-Wanderung Nummer 9 (Levada do Caldeirão Verde). Bei gutem Wetter hat man auf dem Weg eine schöne Aussicht, bei schlechtem verwandeln sich die Bäume in einen sagenhaften Nebelwald. Beim eigentlichen Ziel, einem Wasserfall, sollte man jedoch nicht umdrehen, sondern der Levada weiter folgen bis zum Caldeirão do Inferno. Der Weg ist nicht mehr ausgeschildert, dafür wenig bekannt und führt zum besten Ausblick Madeiras.

Blick vom Pico Ruivo auf Madeira

Unsere Unterkünfte auf Madeira

Die Unterkunft Casa Zona Velha-Caetano ist für bis zu drei Gäste geeignet und liegt in der Altstadt von Funchal. Sie ist deshalb der perfekte Ausgangspunkt für Unternehmungen in der Hauptstadt. Der Strand ist beispielsweise nur eine Minute entfernt. Hier kann man auch im Februar schon hervorragend baden, wenn die Sonne scheint. Und wenn man abends zu viel Poncha (Nationalgetränk aus Zuckerrohrschnaps, Zitronensaft und Honig) getrunken hat, findet man trotzdem noch nach Hause.

Die Cabanas de S. Jorge Village liegen an der Nordküste von Madeira und sind der ideale Ausgangspunkt für Wanderungen im Norden der Insel oder im Inselinneren. Mit fantastischer Aussicht auf den Atlantik und unvergesslichen Sonnenuntergängen ist sie Unterkunft aber auch sehr gut zum Entspannen geeignet.

Meerblick an der Badestelle am gelben Haus in Funchal

Madeira-Reise im Februar – lohnt sich das?

Ja! Auch wenn die Anreise nur mit dem Flugzeug möglich ist, sind die Lebenshaltungskosten zur Nebensaison so gering, dass man ein bisschen länger bleiben kann. So kommt das Verhältnis von Anreisestrecke zu Aufenthaltsdauer wieder in Ordnung. Das entspannt Reise und Reisende. Sonne, frische Lebensmittel und ausreichend Bewegung auf angenehm leeren Wanderwegen helfen gegen den Winter-Blues. Und mit Urlaub in der Nebensaison werden die Tourismus-Einkünfte rund ums Jahr gestärkt und die lokale Wirtschaft auch in der „kalten“ Jahreszeit unterstützt. Win-Win-Situation, Wellen und Wanderparadies! 🎒🌊😊

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