Das war das Thema einer Diskussion auf der ITB, bei der auch unser Gründer Moritz mit auf dem Podium saß. Mit ihm diskutierten ein Mitarbeiter der Lufthansa, ein deutscher Umweltwissenschaftler und die Tourismusministerin von Costa Rica. Klingt nach einer spannenden Mischung. Zeit und Aussagekraft waren dann aber doch eher kurz bemessen.

Die Akteure:

Bernhard Dietrich: Leiter des Bereichs Umweltaspekte bei der Lufthansa Group, der zwar Erklärungsversuche startete, sich während des Gesprächs aber trotzdem meistens in der Defensive befand.

Dr. Michael Kopatz: Umweltwissenschaftler und Buchautor, der viel aus seinem Buch Ökoroutine zitierte, in dem es darum geht, was die Leute für richtig halten und wie sie dann tatsächlich handeln.

Hon. Maria Amalia Revelo Raventós: Tourismusministerin von Costa Rica, einem Pionierland, was Ökotourismus, bzw. nachhaltigen Tourismus angeht.

Moritz Hintze: Gründer von bookitgreen, der ein wenig das Gefühl hatte eingeladen worden zu sein, um den Altersdurchschnitt zu senken und dementsprechend im bookitgreen Hoodie auftauchte.

Die Lufthansa und die Flugreisen

Das Thema, um das sich bei der Diskussion alles drehte, waren Flugreisen. Klar, Fliegen hat weitreichende Auswirkungen auf das Klima und ist aber trotzdem ein zunehmend beliebteres Fortbewegungsmittel. Damit war Bernhard Dietrich einer der gefragtesten Akteure auf der Bühne. Er argumentierte tapfer, dass die Lufthansa schon an der Forschung nach alternativen Antriebsstoffen beteiligt sei. Die seien aber alle noch zu teuer. Die vielen (billigen) Flüge, zum Teil auch unsinnige Kurzstrecken, erklärte er damit, dass sich sein Unternehmen in einem internationalen Wettbewerb befände. Wenn die Lufthansa die Routen nicht bedienen würde, würde es eine andere Airline tun. Für die Kompensation von Flugreisen hätte die Lufthansa schon einen kompetenten Partner. Doch als Unternehmen müsse man sich aufs Kerngeschäft konzentrieren und das sei nun mal das Fliegen.

Costa Rica erreicht man nur durch Fliegen…

Zur Kompensation wurde auch die Tourismusministerin von Costa Rica befragt. Wie sie in ihrer Eröffnungsrede darstellte, ist Costa Rica schon seit vielen Jahren führende Nation in Hinblick auf Naturschutz und Tourismus. Das Land hat für sich früh erkannt, dass die beiden Bereiche Hand in Hand gehen müssen. Dass Urlauber hauptsächlich mit dem Flugzeug aus Amerika und Europa kommen, sieht sie weniger als Problem. Das Land verfüge über genügend Fläche für Wiederaufforstung. Der Reisemarkt wachse eben und Kompensation sei etwas, was Costa Rica unmittelbar unternehmen können. Dass Forschung aber auch ein kluger Ansatz ist, gab sie selbst zu.

Und nun?

Differenziertere Lösungsansätze kamen dann von Dr. Michael Kopatz und Moritz. Das 1,5 Grad-Ziel einzuhalten sei unmöglich, solange wir weiterfliegen wie bisher. Was fehle, seien politischen Rahmenbedingungen. Unternehmen allein könnten das Problem nicht lösen. Und den Verbraucher zu Verzicht aufzurufen, sei auch der falsche Weg. Fliegen ist in den letzten Jahren immer billiger geworden und das lässt sich jetzt nicht mehr rückgängig machen ohne eine Diskussion zu sozialer Gerechtigkeit zu führen. Eine Möglichkeit wäre es Urlaubsreisen zu besteuern, die über den Jahresurlaub hinaus gehen. Jeder darf in den Urlaub fahren, aber Menschen, die sich übermäßig viele Wochenendurlaube leisten können, können auch Steuern darauf zahlen. Ein anderer Vorschlag war die Deckelung des Flugverkehrs. Wenn der Flugverkehr auf dem aktuellen Niveau eingefroren werden würde, wäre schon viel geholfen.

Eine Diskussionsrunde auf der ITB zum Thema Klimawandel und Reisen

Wie lange können wir also noch so weiterreisen, wie bisher?

Eigentlich gar nicht. Allerdings darf man den Verbrauchern die Verantwortung nicht zu schieben und die Wirtschaft möchte sie auch nicht haben. Was wir brauchen sind politische Rahmenbedingungen. Nur wer jetzt was unternehmen sollte, bleibt noch unklar.

Verständlicherweise war es nicht möglich innerhalb einer dreiviertel Stunde zu einem viel anderen Ergebnis zu kommen. Leider war außer Moritz auch keiner so richtig diskussionswillig. Dafür war er auch der einzige Redner, der Zwischenapplaus bekam. Anlässlich des CSR-Tages auf der ITB in dessen Rahmen auch die Diskussion stattfand, hatten sich im Publikum vermutlich hauptsächlich nachhaltig-interessierte Menschen versammelt. Der Herr von der Lufthansa bekam das dann während der gesamten Diskussion zu spüren.

Letztendlich macht die Bio-Abteilung auch nur einen ganz kleinen Anteil am Sortiment eines Supermarktes aus. Hier treffen sich dann die Bio-Interessierten. So ähnlich ist es auch mit der Nachhaltigkeit auf der ITB. Die Branche ist riesig, aber wenigstens finden nachhaltige Reisen schon Platz darin. Ein Anfang ist gemacht.

Wie sollten wir deiner Meinung nach in Zukunft reisen?

🌱 #samebutgreen

1 Antwort
  1. Hans-Joachim Faust
    Hans-Joachim Faust sagte:

    Der Verbrauer ist bequem und geht über den Preis (abgesehen von den BIO-Interessierten). Die Politik scheut sich, dem Wähler seinen Urlaub zu verteuern und / oder zu reglementieren.
    Solange Unternehmen das Thema Nachhaltigkeit als „must have“ und nicht als „will have“ ansehen, wird sich in der Tourismusbranche nicht viel ändern.
    Warum sehen so wenig Unternehmen Nachhaltigkeit als Chance und binden den Kunden aktiv mit ein?
    Nachhaltigkeit sollte aktives Marketing sein – nur dann hat das Klima eine Chance.

    Antworten

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